Das Pferd frisst keinen Gurkensalat. Was sich wie eine Binsenwahrheit des 18. Jahrhunderts anhört, ist tatsächlich der Titel einer Komödie von Roger Binggeli Bernard, welches unter seiner Regie und mit dem Projekt 210 und dem Musiker Skinny Jim im Frühling 2013 in Bern uraufgeführt wurde.

Anders als vielleicht vermutet, ging es darin aber nicht um die kulinarischen Gewohnheiten von Unpaarhufern, sondern hatte die Einführung des Telefons in eine deutsche Kleinstadt kurz vor dem ersten Weltkrieg zum Thema. Obwohl die neue Kommunikationsmöglichkeit den Optimismus der meisten BürgerInnen weiter ankurbelte, machten sich auch kritische Stimmen breit. Gerüchten zufolge könne das „Teufelfon“ einem sogar das Gehirn aussaugen.

Auf dem Dorfplatz, Austragungsort von so vielen Komödien und Tragödien, trafen die ProtagonistInnen zusammen: Liebende und Geliebte, Dumme und Strohdumme, Scharlatane und VerfechterInnen des Zukunftsglaubens. Was sich mit Witz und Romantik auf der Bühne abspielte, belebte nicht nur den Geist einer vergangenen Zeit wieder, sondern gewährte auch einen letzten Blick auf das gutbürgerliche Europa, bevor sich dieses in der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts für immer radikal verändern sollte. Nicht zuletzt kam bei so manchen ZuschauerInnen Gedanken zur heutigen Zeit und ihren immer neuen Formen der Kommunikation auf.

Ernst und zugleich mit betonter Leichtigkeit widmete sich das Projekt 210 auch diesen Frühling wieder dem Spiel auf den Brettern, die die Welt bedeuten und nahm die Zuschauer mit in eine Zeit, in der Liebespillen ernsthafte Arznei und Rollschuhe der letzte Schrei der Mode waren.

Mit über 700 begeisterten ZuschauerInnen in Bern und Schaffhausen konnte das Projekt 210 im Frühling 2013 auch ausserhalb der Heimat grosse Erfolge feiern und seine Präsenz in der Schweizer Theaterszene weiter festigen. Um es mit den Worten des Stücks zu sagen: „Es geht gut, Danke!“

Fotos: Martin Bichsel