1 Neue Benachrichtigung. Ob auf dem Computer, Tablet, Mobiltelefon, überall wird unsere Aufmerksamkeit gefordert, unsere Meinung abgefragt, unser Status definiert. Online und Offline sind obsolete Trennbegriffe geworden, unser Leben findet längst auf einer umfassenderen Ebene statt. Doch wenn die Virtualität in immer grösseren Bahnen um sich greift, gibt es überhaupt noch einen Bedarf nach Wirklichkeit? Oder werden die beiden nicht ohnehin beliebig austauschbar?

Im Jahre 2315 ist die Menschheit bereits einen Schritt weiter. Brent und Magnolia treffen sich an den Niagara-Fällen, verlieben sich, werden von ihren Freundinnen und Freunden gefeiert. Das Glück scheint perfekt. Doch dann taucht Magnolias Verflossener Tyler auf und mit ihm treten einige seltsame Verschiebungen in die heile Welt. Brent stürzt in den Tod ohne zu sterben, Leute wechseln ruckartig ihren persönlichen Hintergrund und auch bei den Human Robots, eigentlich Bedienstete, zeigen sich Kontrollstörungen.

Ist Liebe noch wichtig, wenn sie nur vorgegaukelt ist? Gehört zum echten Leben eben auch der Schmerz? Und für was entscheiden wir uns, wenn unseren Möglichkeiten keine Grenzen mehr gesetzt sind? Die virtuelle Realität des Niagara-Protokolls stellte die Beteiligten in der Tragikomödie von Roger Binggeli Bernard vor schwierige Entscheidungen. Nur gut, dass bei so vielen existenziellen Fragen auch die gewohnte Portion Humor nicht zu kurz kam.

So pilgerten wieder zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer in die Aula des Progrs in Bern und in den Keller62 in Zürich, um sich von den Versprechungen der Zukunft berieseln zu lassen. Mit mehr als 750 Personen im Publikum konnte das Projekt 210 die Erfolge der Vorjahre weiter ausbauen. Bei allem Trend zur Virtualität plant die junge Theatergruppe folglich auch in Zukunft die Leute für interessantes Theater hinter ihren Bildschirmen hervorzulocken.

Fotos: Felix Erb