Ein Triumph über die Kräfte der Natur sollte sie werden. Das Glanzstück der Nordatlantikflotte. Die Titanic, das seinerzeit grösste Schiff der sieben Weltmeere, Ankerpunkt für eine weltbekannte Liebesgeschichte und viele ungeklärte Theorien.

Pünktlich zum 100. Jahrestag ihres Untergangs widmete sich auch das Projekt 210 mit seinem ersten Stück aus der Feder von Autor und Regisseur Roger Binggeli Bernard den Legenden, welche den Dampfer seit seiner ersten und einzigen Überfahrt umgeben.

Anstatt sich aber direkt aufs Deck zu Begeben und dem Eisberg noch einmal ins Auge zu schauen, lud die junge Theatertruppe die ZuschauerInnen zu einem fiktiven Gerichtsprozess ein. Nach der Abfahrt und darauf folgendem Untergang sollten hier die Mysterien hinter der Tragödie geklärt werden. Weshalb waren nur so wenige Rettungsboote an Bord? Warum wurden die Funksprüche mit Warnungen vor Eisbergen nicht weitergeleitet? Und hatte der Kapitän wirklich die Leistung des Schiffes herausgefordert, um das berühmte „Blaue Band“ zu gewinnen?

In einer temporeichen und intensiven Inszenierung wurde nicht nur so manches Geheimnis um die wirklichen Geschehnisse der Nacht vom 14. April 1912 gelüftet, sondern auch die persönlichen Ziele und Schicksale der verschiedenen PassagierInnen und Crewmitglieder ans Tageslicht gebracht. Mit viel Witz, beachtlicher Tiefe und nicht zuletzt den gefühlsvollen Bluesklängen des Musikers Skinny Jim wurden die hundertjährigen Emotionen noch einmal neu entzündet, um sich dem Untergang des Schiffs und der eigenen Verantwortung zu stellen.

Mit über 500 begeisterten ZuschauerInnen und lobenden Kritiken in der Berner Zeitung, Ensuite und Telebärn konnte das Projekt 210 mit titanic2012 seinen gelungenen Einstand in der Berner Theaterszene feiern und mit dem 3. Preis an den Aarauer Theatertagen seinen Erfolg noch einmal bestätigen. Und wie das berühmte Schiff der White Star Line hat es nicht vor mit dem Ende des Stücks aus den Köpfen der Bernerinnen und Berner zu verschwinden.