Dementia

Wenn man annimmt dass die Erinnerungen an unser Leben uns zu jenen Menschen machen, die wir sind, dann bedeutet das Erkranken an Demenz, dass wir allmählich vergessen wer wir sind. Man wird sich fremd, und man ist für sich selbst genauso wenig wiederzuerkennen wie für die Angehörigen.

So versucht auch Heinz Romer sich zu erinnern, was den damals genau passiert ist, an jenem gemütlichen Nachmittag im Jahre 1955 irgendwo in der Schweiz, als er und seine zukünftige Frau Gerda sich mit den Verlobten Alfred und Hedi treffen.

Die Hedi kann er nicht mehr vergessen. Aber er weiss nicht mehr warum, und die Überbleibsel dieser schmerzhaften Erinnerung lassen ihn nicht mehr los, auch 2017 in Bern nicht. Heinz Romer muss ins Altersheim, da seine Erkrankung ein Leben allein verunmöglicht. Gerda ist vor einigen Jahren gestorben und es liegt nun an seinen Enkelkindern die Wohnung auszuräumen.

Freunde kommen vorbei um zu helfen, die Verwaltung preist die noch nicht leere Wohnung an und die Möbelpacker fragen sich, ob sie die alten Möbel nicht einfach wegwerfen sollten. Michelle, seine Enkeltochter, ist zunehmend überfordert von der Situation und fragt sich, wer denn diese Hedi auf dem geheimnisvollen Foto ist, welches ihr Bruder Simon in einer Kiste gefunden hat.

So wie Michelle und Simon schlussendlich versuchen mit Hilfe einer gespielten Familienaufstellung des Rätsels Lösung zu finden, so brachten der Autor Roger Binggeli Bernard und das Projekt 210 in Dementia Heinz Romers vergessene Erinnerungen auf die Bühne, und zeigten wieder einmal auf, dass man auch die die schwierigsten Themen, die unsere Gesellschaft beschäftigen, in lebendiges Theater verwandeln kann.

Die präzise Auseinandersetzung mit den oft schmerzhaften Folgen einer Demenzerkrankung für die Betroffenen und die Angehörigen, erstmals in der Geschichte des Projekt210 auf Berner Mundart gespielt, vermochte das Publikum genauso zum Lachen zu bringen wie es zum Nachdenken anregte, und zum Schluss sahen sich die zahlreich erschienen Zuschauer meistens den Tränen nahe. Die rührende Geschichte um Heinz Romer, eindrücklich gespielt vom  Hauptdarsteller Armin Kopp, liess keinen der über 600 Zuschauer im Berner Progr kalt, und zeigte dass das Projekt 210 auch in seiner bereits sechsten Produktion keinerlei Alterserscheinungen angesetzt hat.