Ich mehte putzen

Es herrscht Dichtestress, Masseneinwanderung droht und Europa steht inmitten einer Flüchtlingskrise: Das Thema Flucht beschäftigt die Schweiz und die ganze Welt im Jahre 2016 wie kein anderes. Die Schlagwörter liegen schwer im Magen, es werden hitzige Diskussionen geführt über Asylanten, die Schleppermafia und das nicht zu bewältigende menschliche Drama, das sich täglich auf irgendwelchen Booten im Mittelmeer abspielt. Wer sind diese Menschen die über das Mittelmeer und die Balkanroute in die Schweiz kommen wollen? Was treibt sie an? Und wie sollen wir ihnen begegnen?

Auch Nusreta möchte in die Schweiz. Eigentlich. Aber muss es denn  wirklich in einer Kiste sein, per Post? Almir und Reif halten das für eine hervorragende Idee, Fikreta ist eher skeptisch. Doch einig sind sich alle, in Bosnien hält sie nichts mehr und die Zukunft, das wahre Leben wartet in der Schweiz auf einer Schaffarm. Besagte Schaffarm erweist sich jedoch leider als Treffpunkt der rechtsextremen Jungen Neuen Volkspartei.

Einzig bewaffnet mit einer Zauberschürze und dem Satz „Ich mehte putzen“ wird Nusreta an die Ringmatte 12 in die Schweiz geliefert. Dort ist man über die Ankunft des Pakets gar nicht begeistert. Schliesslich haben sich die Mitglieder der JNVP zum Ziel gesetzt, jegliche Ausländer zu vertreiben, oder wenigstens möglichst unbeliebt zu machen, denn die Furcht vor den Illegalen ist fast so gross wie die Furcht vor Schlangen und Bomben.

Mit Ich mehte putzen präsentierte Roger Binggeli Bernard wieder einmal zusammen mit dem Projekt 210 ein Theaterstück, dass sich ohne Scheuklappen und ohne Rücksicht auf Verluste mit dem Themen Flucht und Fremdenhass auseinandersetzte. Es war ein Spiel mit den Klischees, eine Asylanten-Komödie, ein Märchen und eine beissende Satire auf das politische Klima in der Schweiz, gespickt mit gewitzten inszenatorischen Einfällen wie einer Simultan-Synchronisation der bosnischen Charaktere durch das Ensemble in Deutsche.

Diese gelungene Gratwanderung veranlasste sogar einige prominente Besucher zur Aussage: „Das war jetzt fast ein bisschen Punk“, und das Publikum, welches wieder zahlreich in die Aula des Progr in Bern strömte, war einverstanden. Die über 500 Zuschauer, die Nusretas ungewöhnlicher Reise in die Schweiz beiwohnten, waren jedenfalls begeistert von der gewohnten Mischung aus Tragik und Humor in einem Schauspiel, dass wieder einmal bewies dass das Projekt 210 nicht davor zurückschreckt die Geschichten, die unsere Zeit schreibt, in magisches Theater zu verwandeln.